Romuald Grondé, Künstler aus Augsburg neben seiner Collage "Kairos - Begegnung".

Die Kirchengemeinde im ÖZ-Lengfeld hat am 22.März zu einem besonderen Gottesdienst mit dem Titel „Die Befruchtung der Erde durch den Heiligen Geist“ eingeladen. Mit ihm und dem anschließenden Empfang wurde die Ausstellung „Vida Movida“ von Collagen, Aquarellen und Kalligraphien des Augsburger Künstlers Romuald Grondé beendet. Sie war ein Teil des Festprogramms zum Jubiläum „50 Jahre Ökumenisches Zentrum“.

„Ein Traum“ Collage von Romuald Grondé.

Der Hausherr, Pfarrer Stefan Meyer, stellte am Anfang in den Raum, dass es in und mit Gott beziehungsreich und prozessvoll zugeht. Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist seien in sich schon Beziehung. Wer das Neue Testament aufmerksam lese, merke, dass Jesus von Nazareth auch eine persönliche Entwicklungsgeschichte hatte. Pfarrer Frank Witzel nahm diesen Impuls auf und verknüpfte ihn mit ganz konkreten Lebenserfahrungen des Wandels, der Entwicklung und des Sich-Findens. So entstünden automatisch die Lebenswege im „Vida Movida“, dem bewegt-bewegenden Leben.

Worte und Gedanken der beiden Pfarrer und des Künstlers, der dabei immer wieder seine Kunstwerke interpretiert und deren Entstehung erzählt, schwingen hin und her. Auch Rockmusik mit Gitarre und Orgel ist in dieser Bewegung bewegt-beschwingt dabei. Stimmung und Spaß teilen sich die Aufmerksamkeit mit mystischen Impulsen. Sie spielen einander die Bälle zu.

Das bewegt-bewegende Leben spiegele sich in der biblischen Geschichte wider, wenn etwa in der Erzählung vom Turmbau zu Babel Kulturleistungen auch kritisch gesehen werden, weil sie Menschen und Gesellschaften spalten können. Demgegenüber stünde die kulturelle Erfahrung von Pfingsten, die durch gemeinsame Verständigung ein neues, soziales Verhalten entwickeln könne. So sei der „christliche Urkommunismus“ entstanden, der bis heute Diakonie, Caritas und die Errungenschaften des Sozialstaats befruchte.

In der Predigt betonte Pfarrer Frank Witzel, dass das Grundproblem des Menschseins die Angst sei. Sie verschließe den Menschen in der Angststarre oder öffne als einzigen Ausweg die Gewalt gegen sich selbst oder andere. Das Evangelium hingegen bedeute Entängstigung. Die Angst wird getröstet, d.h. nicht verdrängt, sondern angenommen und überwunden, weil zwischen Gott und dem Menschen im Grunde alles in Ordnung sei.

Jahresfahrt Novalis, Collage von Romuald Grondé

Witzel betonte: „Wir werden sterben – aber wir feiern das Leben, das den Tod überwindet. Unser Leben ist sinnlos – aber Gott gibt ihm einen Sinn durch die Liebe und wir nehmen sie an. Wir fühlen uns ungerecht behandelt und einsam – aber Gott ist nahe und setzt uns ins Recht. Wir brauchen nicht starr und unbeweglich sein aus Angst, etwas verkehrt zu machen. Wir machen sowieso alles verkehrt, aber Gott macht es gerade.“

So könnten wir das „Vida Movida“ in Alltag und Lebensabenteuer begrüßen.

Die Worte des Künstlers Romuald Grondé schließen beim anschließenden Empfang nahtlos an. Ein reges Ineinander von Begegnung, Gespräch, Kunstinterpretation, Essen und Trinken entsteht. Zuletzt versammelten sich alle Anwesenden im Gemeindesaal und besprachen gemeinsam die ausgestellten Kunstwerke. Sie entfalteten ihre Kraft in besonderer Weise dann, wenn sie in den Dialog mit Gedichten der Romantik traten. Das bewegt-bewegende Leben wurde als Heimweg, „Heimfahrt“ interpretiert, berührte die inneren Empfindungen und steckte zur Hoffnung an. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur der Künstler, sondern auch Pfarrer Stefan Meyer eine Herzensbeziehung zu den Gedichten der Romantik hat.

Pfarrer Frank Witzel freute sich über die Vernetzungen der verschiedenen Sinne und Lebensbereiche, die sich zeigen. Er nannte sie „heilig“ und persönlich wie gesellschaftlich und politisch überlebenswichtig.

Die Finissage war ein kommunikatives „Gesamtkunstwerk“. Ein Teilnehmer verabschiedete sich mit den Worten „Das war das Beste, was ich in den letzten 10 Jahren in der Kirche erlebt habe.“ Ein anderer Teilnehmer fragte „Machen Sie hier wieder sowas?“

Das „Vida Movida“ in seiner Dynamik wird es zeigen.

Gezeigt hat sich, dass evangelische Christen in lutherischer Tradition nicht bilderfeindlich sind. Zugleich nehmen sie das Anliegen des biblischen Gebots „Du sollst dir kein Bildnis machen“ auf. Sie betonen poetisch, künstlerisch und spirituell, dass Kunst eine bildhafte Sprache ist, die auf etwas hinweist, das mehr ist, als das, was vorfindlich wahrgenommen wird. Sie lebt offensichtlich vom „Überschuss“ und vom hoffnungsschwangeren „Noch-Nicht“ – wie der Glaube auch.

 

Frank Witzel